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Die Regenzeit fiel im letzten Jahr
komplett in Samburu und in der Maasai-Mara aus. Weite Landstriche hatten keinen
einzigen Grashalm für die äsenden Tiere, die Maasai-Kühe verhungerten und
verdursteten. Die Kenianische Regierung hatte jetzt vor einigen Wochen den
Maasais erlaubt, ihre Rinder-herden in die Nationalparks hineinzubringen. Das
hatte nur den Nachteil für die wilden Tiere, dass sie aufgrund der hohen
Rinderkonzentration und den Maasais immer weiter ins Landesinnere mussten. Auch
die Raubkatzen mussten ihr ange-stammtes Revier verlassen.
Als noch vor wenigen Jahren (auch
Anfang letztes Jahr) es häufig regnete, schafften sich die Maasais immer mehr
Rinder an – als Statussymbol. Jetzt hatten sie nicht einmal mehr genug zu essen
– die Kühe gaben kaum Milch, sie waren nur noch Haut und Knochen.
Mitten in der Savanne, wo sonst hohes grünes Gras
vorhanden ist, lagen sogar tote Hippos und verhungerte äsende Tiere im staubigen
Sand. Sie hatten vergeblich ein Wasserloch und grünes Gras gesucht. der
Talek-River, der Fluss in Samburu und sogar der ansonsten sehr breite Mara-River
waren teilweise total ausgetrocknet.
In einem kleinen Tümpel (von einem
kurzen Regenschauer) lag ein Hippo in der glühenden Mittagshitze (35 Grad im
Schatten) und sein Rücken war schon total von der Sonne verbrannt.
Alle äsenden Tiere waren rappeldürre, liefen
kilometerweit, um eine kleine Fläche mit Gras zu finden.
Die armen Menschen in der Savanne mussten zig Kilometer
laufen, um irgendwo Wasser von einem Regenschauer zu finden.
Es war ein fürchterlicher Anblick.
Talek-Gebiet
Auch hier waren
weite Landstriche staubtrocken. Der Löwe, der sein Revier in der Nähe des
Ilkeliani-Camps hatte, war in ein anderes Gebiet umgezogen. Bei den letzten
Reisen in diesem Gebiet sah ich von meinem Vorzelt Scharen von äsenden Tieren
vorbeilaufen, hörte in der Nacht die Hippos, den Löwen, die Hyänen. Jetzt war
lautlose Stille – nur das Gezwitscher der Vögel war zu hören und nachts das
Geschnaufe eines Flusspferdes.
Einige Rinder von dem im anliegenden
Dorf lebenden Maasais durften zeitweise im Camp die wenigen, noch vorhandenen
Grashalme fressen. Das Ilkeliani-Camp begrüßte mich wie
ein Familien-mitglied. Sogar mein Maasai-Askari brachte mir von seiner Frau
selbstgefertigten Schmuck (Halskette und Armband) und freute sich, dass er sich
nachts wieder die Wolldecke von meinem Bett umhängen konnte und freute sich
jeden Abend auf meine Bilder, die er sich, sowie das übrige Personal, sehr gerne
anschaute.
An meinem letzten Vormittag im Camp
versuchten doch tatsächlich 11 Maasais aus dem Dorf, für mich das Versteck der
Ginsterkatzen mit ihrem Welpen ausfindig zu machen. Sie schauten in jeden Busch
– aber erfolglos. Mein Askari sagte mir, dass die Ginsterkatzen, wenn sie Junge
haben, jeden Tag ihren Standort wechseln. Aber ich fand es unheimlich lieb und
nett.
Die Löwen, die bei meinem letzten
Urlaub im September Paarungszeit hatten, diese Welpen waren jetzt zwischen 4-6
Wochen alt und tobten auf ihren Eltern herum. Auch die Zebras, Gnus,
Thomson-Gazellen hatten Babys.
Die überlebenden Geparden-Jungen
waren zu stattlichen halbwüchsigen herangewachsen und versuchten schon, selbst
ein Tier zu erlegen.
Die Gepardin Kiki, die mit Vorliebe
auf den Autodächern
rumsitzt oder liegt, war zum Glück noch in ihrem gewohnten Revier in der Nähe
des Talek-Rivers. Sie sprang von Auto zu Auto und genoss es augenscheinlich,
wenn Kenia-Neulinge vor Angst zitternd, sich halb unter ihrem Sitz verkrochen.
Die Kenianische
Regierung hat jetzt auch das jahrhunderte alte Ritual der Maasais verboten,
einen Löwen zu erlegen, ehe sie zum „Mann“ ernannt werden.
Es sind viele Ranger auf
Beobachtungsposten und sobald ein Maasai dabei gesichtet wird, bekommt er 10-15
Jahre Haft. Die Kenianischen Gefängnisse sind
nicht mit den europäischen zu vergleichen (was für die Kenianer hier der reinste
Traumurlaub wäre). Es leben bis zu 15 Menschen in einem engen Raum ohne Bett, es
gibt kaum etwas zu essen oder zu trinken.
Menschenleben nichts wert…
(ein sogenanntes Hospital im
Talek-Gebiet)
Auf dem Weg zu
einer Pirsch vom Camp aus sahen mein Guide und ich die gesamten Schulkinder der
Talek-Schule mitten in der Savanne stehen und ein Lehrer stand am Wegesrand. Wir hielten an, gingen zu den Schulkindern und sahen in
der Mitte, mit dem Gesicht im Staub liegend, eine Halb-Maasai liegen, die weder
stehen, laufen oder sitzen konnte und vor Schmerzen laut schrie.
Wie wir erfuhren, ist sie vom LKW
gefallen, wo sie mit anderen auf dem Gepäckträger sitzend zu ihrer Arbeitsstelle
fuhr.
Die Insassen des LKW sowie der Fahrer ließen sie
einfach liegen und fuhren weiter.
Wir schleppten sie zu unserem Auto,
wo ich sie vom Hintersitz krampfhaft festhalten musste, damit sie nicht mit dem
Gesicht aufs Armaturenbrett aufschlug. Ich sah dann das „Hospital“ des
kleinen Talek-Dorfes. Es war schlimmer wie der schlimmste Horrorfilm: Ein einziger Arzt, ein enger Raum mit einer schmalen
Liege – ein Medikamentenschrank, wo nur gewaschene zerfetzte Tücher zum
verbinden und Mittel gegen Malaria vorhanden waren. Das war alles – ach nein,
ein vorsintflutliches Holzstethoskop hatte der Arzt.
Auf unsere Frage, was jetzt mit der
Frau geschieht, antwortete der Arzt lakonisch: wenn sie die Nacht überlebt,
kommt sie morgen früh in ein etwas grösseres Hospital nach Narok, der Hauptstadt
der Maasai-Mara. Sie muss innerliche Verletzungen und etliche Brüche
erlitten haben. Später erfuhren wir, dass sie überlebte und nach Narok gefahren
wurde. Was für die arme junge Frau bedeutete – 5 Stunden lang diese endlosen
Holperwege mit diesen schweren Verletzungen.
Bei meinem nächsten Besuch Mitte
Oktober im Talek-Gebiet werde ich jede Menge Arzneimittel und Verbandsmaterial
für dieses kleine Hospital mitnehmen. Ich werde auf Betteltour bei meinen Apotheken und
Ärzten gehen und wenn ich dann Übergepäck am Flughafen habe, was mit Sicherheit
der Fall ist, wird das kein Problem für mich darstellen, da ich am 13.10.2006
mit der Kenya Airways fliege und wenn ich ihnen das Gepäck zeige, wo nur Sachen
für das Hospital und die kleine Talek-Schule drin sind, werden sie mir nichts an
Übergepäck berechnen.
Durch meine Page habe ich vor Monaten
eine sehr nette hilfsbereite Familie kennen lernen dürfen, von deren Hausarzt
ich schon für diese Reise jede Menge an Medikamenten mitbekam. Leider wusste ich da noch nicht, dass
das Hospital im Talek-Gebiet rein gar nichts hat und gab diese Medikamente in
Narok im Hospital ab. Dort wird es natürlich auch gebraucht und die Ärzte waren
überglücklich, aber die Menschen im Talek-Gebiet – jedenfalls werde ich zusehen,
dass sie im Oktober so mit Medikamenten eingedeckt sind, dass diese bis zu
meinen dann folgenden Urlaub reichen werden.
Auch musste ich mit eigenen Augen mit ansehen, wie die
Menschen – zumindest in der Maasai-Mara - von ihren „Vorgesetzten“ behandelt
werden: Ein Ranger, den ich seit Jahren
kenne, hatte einen akuten Malariaanfall und wir wollten ihn im Auto in die
Mara-Serena-Safari-Lodge bringen, wo immer ein Arzt anwesend ist.
Er fragte seinen Chef um Erlaubnis
und dieser lehnte ab mit der lapidaren Begründung: Beine zum laufen hätte er ja
wohl noch und er verbietet es ihm, in einem Auto mitzufahren…
Ich möchte ihm keinen Ärger machen
und die Gegend beschreiben – auf jeden fall musste er 15-20 km quer durch den
Busch laufen, bis er in der Serena-Lodge war. Und in dieser Gegend wimmelt es
von Raubtieren und auch Hippos – der Mara-River war schließlich nicht weit
entfernt.
Lebensgefahr
Auge in Auge mit einem riesigem
Hippo
Auf dem Wege vom Lake Nakuru hatte
ich eine Zwischenübernachtung im Lake Navaisha Country-Club. Am Nachmittag
wollte ich am Naivasha-See die Vögel beobachten und fotografieren,
spazierte
aber sinnigerweise nicht auf dem Holzsteg entlang, sondern
ging quer durch den
Busch, weil ich direkt an den See wollte.
Warnschilder zeigten an, dass es dort
„wild Animals“ gibt. Ich sah nur friedlich grasende Wasserböcke und Impalas, es
war nachmittags um 15 Uhr – die Flusspferde, die sehr gefährlich sind, kommen
erst in der Dunkelheit aus dem See.
Es war wunderschön, überall zwitscherten die
unterschied-lichsten Vogelarten, Pelikane flogen über den See. Ich lief langsam
zurück zu meiner Unterkunft, hörte ein rascheln im Busch und heraus kam ein
riesiges Hippo und glotzte mich aus großen Augen an. Ich glaube, in diesem Moment setzte
für einen kurzen Moment mein Herzschlag aus.
Ganz langsam und leise ging ich
einige Schritte
rückwärts, das Flusspferd nicht aus den Augen lassend. Mir
war
klar, dass es
zwar schlecht sehen, aber gut erkennen kann, wenn sich etwas schnell bewegt.
Dann rannte ich so schnell, wie schon seit Jahren nicht mehr, auf die rettende
Brücke und fotografierte dann das Riesenvieh auf der sicheren Seite. Ich hatte selber schuld – bin kein
Neuling und müsste eigentlich wissen, dass es immer mal wieder Hippos gibt, die
auch tagsüber grasen.
Im Nachhinein
war es wieder ein Urlaub mit vielen Erlebnissen – aber die traurigen Ereignisse
trübten meine Freude am Anblick „meiner“ Big-Cats und der vielen kleinen
Tierbabys und Tierkinder.
Es war wundervoll, wenn ich – abseits
der anderen Touristen – alleine stundenlang den Löwenkindern beim spielen und
Muttermilch trinkend, zusehen konnte. Zwei junge Löwen – ca. 4-5 Monate alt
versuchten, in eine Höhle hinein zu kommen, in der Warzenschweinkinder waren.
Es war zum schreien komisch, wie sie kopfüber in dem
Bau hingen, aber wegen ihres dicken Bauches nicht weiter kamen. dann versuchten
sie es mit der Pfote – aber die Tiere waren so weit innerhalb ihrer Höhle, dass
natürlich keine Gefahr bestand.
Eine Gepardin
konnte ich aus weiter Ferne (wir gaben ihr eine große Distanz zum jagen, sonst
hätte sie abgebrochen) beobachten, wie sie eine Rote Antilope (in der Masai-Mara
erst vor kurzem aus Tansania kommend, beheimatet) jagde, am Oberschenkel zu
Boden brachte, mit einem Kehlbiss tötete und dann eine Kleinigkeit fraß und sich
dann laut hechelnd erst einmal ausruhen musste. Die Bilder von der Jagd sind
leider etwas unscharf – vor Aufregung zitterten meine Hände. Normalerweise jagen
die Raubtiere in der Morgen- oder Abenddämmerung. Wenn ich Vergleiche zu den satten,
dicken Bäuchen der Tiere im September bei der Gnu-Emigration denke und jetzt die
mageren Tiere gesehen habe, tut es mir in der Seele weh.
Die letzte Woche verbrachte ich in der
Mara-Serena-Safari-Lodge am Mara-River und erfuhr, dass es zwei Tage nach meiner
Abreise vom Ilkeliani-Camp dort in Strömen geregnet hat. Ich bin so glücklich,
dass dort die Menschen und Tiere wieder Nahrung und Wasser finden werden und
hoffe, dass es nicht nur 1-2 Tage, sondern länger regnet.
Am 9. Februar erfuhr ich von Sunworld, Nairobi, dass es
nicht so aussieht, als ob es bald in der gesamten Maasai-Mara regnen würde. Ich
hoffe es so sehr. Das Leid – wenn es für die Menschen auch kein Gemüse, kein
Mais, keinen Kohl, kaum Milch gibt, ist unermesslich. Wenn die Kühe nichts zu
fressen finden, gibt es auch keine Milch. Und gerade die Maasais leben von der
Milch und dem Blut ihrer Rinder. Die Menschen, die im Landesinneren wohnen,
finden keine Wasserfläche, wo sie ihre großen Wasserbottiche auffüllen können –
selbst die Kakteen gehen so langsam ein. sie gaben bislang wenigstens etwas
Flüssigkeit für die Menschen.
Die Menschen in Kenia sagen zu jedem Schicksalsschlag:
es ist alles Gottes Wille. Aber solche große Dürre, wie sie
derzeit in Kenia vorkommt – das gab es schon seit Jahrzehnten nicht mehr.
Überall auf der Welt gibt es seit einigen Jahren Naturkatastrophen in noch nie
da gewesenem Ausmaße. Wo soll das noch hinführen???

Meine nächste Reise ist bereits für
Mitte bis Ende Oktober gebucht. Ich hoffe, dann nur Gutes aus dem Land meiner
Träume berichten zu können.
Bis zu meiner nächsten Reise
Eure „Mama Duma“
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