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14.02. – 10.03. 2005
Mein erster Tag begann damit, dass ich mein Patenkind in der Provinz Nyanza
besuchte (sh. gesonderter Bericht).
Danach ging es auf Zwischenstation in ein kleines Camp, das Crater-Lake-Camp,
und malerisch an einem kleinen Kratersee liegt – in der Nähe vom Lake Naivasha.
Am nächsten Morgen ging es dann in mein geliebtes Mara-Gebiet und ich freute
mich sehr, „endlich“ wieder meine Lieblinge, die Löwen und Geparden beobachten
zu können.
Am
Talek-River, im Talek-Gebiet gibt es ein neu errichtetes Camp der Massais (das
Ilkeliani-Camp) mit nur wenigen, aber sehr geräumigen Zelten. Ich war
begeistert, da es keine gepflasterten Wege gab und nur zeitweise aus
Solarenergie elektrisches Licht und Strom kam, um meine Adapter aufzuladen.
Ansonsten war es wie vor 80 Jahren – überall brannten Kerosin-Lampen, an deren
Gestank ich mich erst gewöhnen mußte.
Da
Kenia unmittelbar am Äquator liegt, ist der Sonnenauf- und Untergang immer um
die gleiche Zeit. Morgens um 7 h ist es hell, abends um 19 h stockfinster. Wenn
man Glück hat, kann man die Sterne „das Kreuz des Südens“ erblicken. Mein Tag
begann morgens um 6 h, wo mein Askari (Wachschutz) mir Kaffee und Kekse auf
einen Tisch ins Vorzelt stellte. Dieses Camp ist von den Massais erbaut und ihr
kleines Dorf liegt in unmittelbarer Nähe. Leider hat sich auch ein Jung-Löwe
dieses Gebiet als sein zukünftiges Territorium ausgesucht und jede Nacht hörte
man die Wachhunde der Massais Alarm schlagen, wenn er in die Nähe des Dorfes
oder Camps kam. Sie dürfen ihn (zum Glück) nicht töten, da ihr Dorf und somit
auch das Camp im Schutzgebiet liegt. Sie vertreiben ihn mit Geschrei und
Getrommel. Trotzdem hat er schon 3 Rinder von ihnen gefressen. Mir war anfangs
doch etwas mulmig zumute – hörte ich doch den Löwen und die Hippos, die aus dem
Talek-River kamen, um in der Nacht ihre Mahlzeiten einzunehmen. Ganz für mich
hatte ich die ganze Nacht „meinen“ Askari neben meinem Zelt zu sitzen, da die
Campleitung wohl der Meinung war – eine Frau alleine müßte besonders bewacht
werden. Ich war beruhigt, als ich ihn schnarchen hörte. War ein gutes Gefühl zu
wissen, dass ich nicht alleine war. Die anderen Zelte waren nicht sichtbar – sie
waren verstreut im dichten Buschland.
Nachts hatte ich mir angewöhnt - in eine warme Wolldecke eingewickelt - mit
meinem Infrarot-Nachtsichtgerät die nachtaktiven Tiere zu beobachten. In der
ersten Nacht, als ich es mir in meinen Vorzelt bequem machte, kam mein Askari
aufgescheucht wie ein wildes Huhn angeflitzt – dacht er doch, ich hätte ein
Problem. Staunend beobachtete er durch das Glas die in der Nähe grasenden
Wasserböcke und das Flußpferd. Er konnte es nicht fassen, dass es ein Gerät gab,
was in der Nacht die Umgebung von ca. 50 m in helles grünes Licht tauchte. Bei
meinen Beobachtungen flitzte eine Small-Spotted-Genet-Cats direkt an meinen
Füssen vorbei. Bis ich meinen Camcorder mit Night-Shot holen konnte, war sie
natürlich im dichten Busch verschwunden. Beim Anblick von Nagetieren, die
natürlich auch nachts auf Wanderschaft waren, war es mir nicht gerade behaglich,
aber ich hatte mein Zelt fest verschlossen und konnte sicher sein, dass sich
keine Maus oder ähnliches in mein Zelt verirrte. An die Fledermäuse, die mir
über den Kopf flogen, hatte ich mich nach dem ersten Erschrecken gewöhnt. Sie
wurden von der Kerosinlampe angelockt, in deren Licht sich zahlreiche Insekten
tummelten und ein begehrter Leckerbissen für sie sind.
Nur
einmal – das werde ich nie vergessen - verfing sich eine Fledermaus in meinen
Haaren. Mein leises erschrecktes Gequietsche hörte natürlich wieder mein
freundlicher Wachmann und befreite die Fledermaus von mir bzw. befreite mich von
diesem Flugtier. Mein Askari und seine Kollegen – sie machten die ganze Nacht
Rundgänge um das Camp (sh. Löwe) – ich möchte nicht wissen, was sie über die
„bekloppte Touristin“ dachten, die sich nachts in der Kälte draußen hinsetzt und
Tiere beobachtet…
Nach meinem Morgenkaffee ging es um 6.30 h auf die Pirsch und wir frühstückten
immer irgendwo in der Savanne unter einem dichten Baum auf einem übersichtlichen
Platz. Vorsichtshalber waren die Autotüren immer offen – Vorsicht ist immer noch
am besten…
Nur
einmal passierte es in diesen 24 Tagen, dass wir schleunigst ins Auto mußten:
eine Herde Kaffernbüffel war im Anmarsch. Die anderen Tiere wie z.B. Impalas,
Gazellen, Schakale usw. beäugten uns nur mißtrauisch. Vor Geparden, auch wenn
sie Welpen haben, braucht man keine Angst zu haben. Klar – zu Fuß nähern würde
ich mich diesen wunderschönen Großkatzen auch nicht – aber sie haben kein
Interesse an den Menschen und den Autos. Sind sie es doch von Welpenalter an
gewöhnt, von Zweibeinern bestaunt, gefilmt und beobachtet zu werden.
Mich regt es grundsätzlich auf, wenn die „normalen“ Safari-Touristen ihren
Fahrer bitten, ganz nahe an die Großkatzen heranzufahren und sich noch nicht
einmal still verhalten. Uns gefällt es doch auch nicht, laufend beobachtet zu
werden – oder? Einen gebührenden Abstand zu den Tieren einzuhalten, ist doch bei
den heutigen gebräuchlichen Digicams oder Camcordern wirklich nicht schwer!
Gegen Mittag, wenn die Sonne zu hoch am Himmel stand (tagsüber 36 Grad, nachts
12 Grad) machten wir uns wieder zurück auf den Weg ins Camp, wo es unter freiem
Himmel Lunch gab.
Selbst im Zelt oder Vorzelt war es dermaßen heiß, das ich froh war, wenn es um
15.30 h wieder auf Tour ging. Meine besten Fotos von dieser Reise könnt ihr auf
meinen Bildern sehen. Des
Öfteren konnte ich bei Tagesanbruch einen Serval durch das hohe Gras schleichen
sehen. Aber jedes Mal, wenn wir uns vorsichtig näherten, lief er davon.
Mir
fiel leider erst zu Hause nach Durchsicht auf, dass ich dämlicherweise meine
Kamera falsch eingestellt hatte. Die kleinste Auflösung war gespeichert…
Eigentlich hat die Kamera 7 Mio Pixel und ich Rindvieh stelle die kleinste
Auflösung ein.
Dafür sind meine Filme vom Camcorder um so besser geworden…
In
der ganzen Zeit, die ich im Camp verbrachte, war kein einziger
deutschsprechender Mensch zugegen. Ein gutes hatte die ganze Sache für mich (da
mein Fahrer auch kein Deutsch konnte): mein Englisch und mein Suahelisch wurde
dadurch etwas besser und die Verständigung klappte durch mein Kauderwelsch ganz
gut.
Abends ab 19 h saßen wir um ein Lagerfeuer und machten es uns gemütlich. Um 20.30 h gab es im großen Zelt dann das Nachtmahl. Ich wundere mich, dass ich
nicht zugenommen habe – das Essen war einfach köstlich und ich nahm viel mehr an
Speisen zu mir, als sonst zu Hause.
Mein Askari – der nur, wie fast alle Massais – suahelisch sprach, tat mir nachts
immer leid. In seine dicken Massai-Plaids eingehüllt, saß er in der Kälte der
Nacht neben meinem Zelt und fror vor sich hin. Dankbar nahm er morgens immer
eine Tasse Kaffee von mir an. Nächstes Jahr werde ich ihm ein langärmliges
Unterhemd und dicke Socken/Kniestrümpfe mitbringen.
Liebe Leser, wenn Ihr an einer Safari
In der Masai-Mara interessiert seid,
dann lest bitte weiter…
Wer
von Euch eine gepflegte Atmosphäre mit gepflasterten, laufend gefegten Wegen
liebt und abends gerne in Abendrobe dinieren möchte, ist in einer Lodge der
Serena- oder Sopa-Gruppe bestens aufgehoben.
Wer
von Euch aber das wirkliche Kenia erleben möchte, der sollte in Camps
übernachten und alleine mit einem Fahrer auf Tiererkundungsfahrten gehen. Auch
eine morgendliche Walkingtour durch den Busch, in Begleitung eines Massais, wird
angeboten. Seit ich auf der letzten Safari mit einem Fahrer vom Sunword-Safari
Ltd., Nairobi unterwegs war, bin ich von diesem Office total begeistert. Die
Wagen sind im sehr guten Zustand, die Mitarbeiter von Sunworld-Safari sind sehr
freundlich und hilfsbereit. Auf Wunsch kann man eine Kamerabefestigung oder
Sandsäcke als Unterlage haben – es wird an alles gedacht und alles
Menschenmögliche für die Kunden getan. Auf Beobachtungstour im Auto kann man
seine vierbeinigen Lieblinge in aller Ruhe beobachten, morgens und abends, wenn
es noch nicht so heiß ist, sie beim spielen oder – wenn man Glück hat, beim
jagen beobachten. Ich hatte schon häufig das Glück, eine Gepardengruppe
von 2-4 Tieren beim jagen ihrer Beute zu beobachten. Da sie nur kurze Zeit
rennen können, braucht man viel Geduld…
Sie
laufen geduckt einige Schritte (währenddessen die Impalas die Geparden nicht aus
den Augen lassen), legen sich wieder wie gelangweilt und satt hin, gehen
gemächlich weiter, legen sich wieder hin usw. Dann – auf einmal, wie
abgesprochen, hechten sie auf die Gruppe der Herdentiere zu. Manchesmal auch
vergeblich…
Aus
der Hungersnot heraus versuchen sie es dann sogar in der glühenden Mittaghitze
noch einmal.
Mein schönstes Erlebnis:
Auf
einer Pirschfahrt entdeckten wir eine verletzte Gepardin mit drei etwa 4-5
Wochen alten Welpen. Eine Tierfotografin aus Canada, die für Tiersachbücher
Fotoaufnahmen macht, hatte es auch bereits der Wildlifestation gemeldet (was
ich erst später erfuhr). Die Gepardin konnte nicht mehr laufen/jagen –
vermutlich wurde sie beim Versuch, ein Impala zu töten, von diesem so stark
getreten, dass sie nicht mehr als drei Schritte humpeln konnte. Sie lief Gefahr
zu verhungern und damit ihre Babys ebenso. Wir fuhren zu der Ranger-Station und
berichteten von der Gepardenfamilie. Ein Spezialist aus Mombasa wurde
eingeflogen (Leoparden und Geparden stehen unter besonderem Schutz) und gab ihr
täglich Injektionen und Aufbauspritzen. Der Ranger gab ihr tagsüber Wasser zu
trinken und brachte ihr in den Abendstunden ein von ihm erlegtes Wild. Nach dem
sie satt war, brachte er die Reste weit weg, damit keine Hyäne oder Geier ihren
Platz bemerkte. Er bewachte den ganzen Tag vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang
die kleine Familie, um Hyänen oder Löwen davon abzuhalten, ihre Welpen zu töten.
Ferner verscheuchte er die Safari-Kleinbusse, damit die Gepardin mit ihren
Kleinen ihre Ruhe hatte.
Nur
wir und die Tierfotografin durften näher ran – hielten aber trotzdem
gebührenden Abstand und beobachteten lieber mit einem Fernglas jeden Tag, ob es
ihr besser geht. Am vorletzten Tag meiner Safari konnte sie schon wieder etwas
besser gehen und ihr Bauch und der ihrer Welpen war kugelrund vom fressen und
trinken. Am letzten Tag durfte ich eine Aufzuchtstation besuchen, wo mutterlose
Geparden und Leoparden von Hand aufgezogen werden und wenn sie größer sind, das
jagen und töten der Beute lernen müssen. Erst danach werden sie wieder im
Schutzgebiet der Masai-Mara ausgewildert. Ich war überglücklich, als ich ein
etwa 10 Monate altes Geparden-Geschwisterpaar streicheln durfte. War ich doch
der Meinung, sie würden sich wie unsere Hauskatzen anfühlen – so hatte ich mich
getäuscht. Das Fell ist hart und trocken – sie schnurren genauso wie unsere
vierbeinigen Samtpfoten zu Hause. Der Leopard auf meinem Bild (unter Rubrik
Geparde) wird bald ausgewildert. Er wurde bereits von der Menschenhand wieder
entwöhnt, lebt in einem sehr großen Revier und hat seinen angeborenen Instinkt
des Tötens wieder. Es wird keine lange Zeit mehr vergehen, bis er wieder in die
Savanne kann.
Die
Geparden, die ich streicheln durfte, waren bereits in ihrem Nachtlager und der
zuständige Wildhüter schloß extra für mich noch einmal den großen Schlafraum der
Geparde auf und ließ sie in einen kleinen Vorraum. Ich wußte, dass mir keine
Gefahr drohte – doch etwas mulmig war mir schon in der ersten Sekunde, als sie
auf mich zustürmten…
Ich
kann nicht in Worte fassen, wie ich mich fühlte – meinen absoluten Liebling, den
Geparden, streicheln, anfassen und kraulen zu dürfen. Ich sah mir aus der Nähe
ihr Gebiß an – es ähnelt der unserer Hauskatzen (klar, sie gehören ja der
gleichen Spezies an), die Zähne sind nur größer und spitzer.
Trotzdem es für mich das Schönste war, was ich je in Kenia erlebt habe, freue
ich
mich für dieses Geschwisterpaar, dass es in wenigen Monaten wieder in die
Freiheit des Masai-Mara Schutzgebietes entlassen wird.

Da
ich mich etwas mit Suzi aus Canada (Tierfotografin) angefreundet habe (litten
wir doch beide mit der verletzten Gepardin) und mir ihre Website anschaute, habe
ich ihr eine Email mit der Bitte gesandt, ob ich nicht das eine Foto vom Serval
und ein oder zwei andere schöne Fotos von Ihr in meiner Webseite mit
hineinsetzen darf. Ich glaube, sie ist noch 2 Monate in der Mara mit ihren
Aufnahmen beschäftigt, hoffe aber sehr, dass sie mir meine Bitte erfüllt. Dann
könnte ich endlich bei meiner Tierkunde ein richtig schönes Foto von einem
Serval mit reinsetzen.
Zum
Abschluss: irgendeinen „Tick“ haben wir alle und meiner ist, dass ich Tiere
schon mein Leben lang geliebt habe und lieben werde.
Nachsatz: durch Zufall durfte ich jetzt auch die Bekanntschaft eines
Tierfotografen aus Luxemburg machen. Romain hat mir ein wunderschönes Foto via
Email zugesandt – jetzt habe ich endlich auch den Serval in der Rubrik Tierkunde
und Tiere allgemein.
Ich
bin sehr glücklich, durch meine Safaris sehr nette Menschen kennen zu lernen –
vor allen Dingen, dass diese Menschen genau so wie ich die Natur und die Tiere
lieben und respektieren.
In
Namibia gibt es die Cheetah-Foundation, die mit viel Liebe und Hingabe versucht,
diese wunderschönen Tiere zu schützen. Leider erschießen dort noch viele
Menschen diese Großkatzen, weil sie ab und an ein Tier von ihrer Viehzucht
erlegen.
Auch in Südafrika werden u.a. Elefanten aus einem Flugzeug heraus mit
Zyankalikugeln getötet, weil der Baumbestand gefährdet ist. Natürlich sind die
Bäume für die Infrastruktur, für andere Tiere lebenswichtig – aber gibt es keine
andere Lösung?
Bis zum Bericht meiner nächsten Reise
Kwa heri
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