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Big Cats Diary.
Mein Mara
Bush-Camp-Abenteuer 2007.
15 - 02.11.2007
(c) 2007 by Brigitte Brach

15.10.:
fliege mit British
Airways. Muss am Check-In-Schalter aus 2 Handgepäckstücken eines
machen. Wie stellen die sich das vor? Ich packe doch nicht meine
Kameraausrüstung in den Koffer. Bin ich verrückt???
Stecke meine
Geldbörse, sämtliche Papiere in meine Jeanstaschen (sehe jetzt aus,als
ob ich einen Elefantenhintern habe) und den Rest in den Metallkoffer
zu den Fotosachen. Die große Handtasche wird in den Koffer gequetscht.
Langer Weg in
London von Gate 1 zu Gate 4. Ich beeile mich, habe nur 30 Minuten Zeit
bis geschlossen wird. Merke, wie ungesund das rauchen ist, bin am
schnaufen wie ein Nilpferd.
Habe mich umsonst
abgehetzt. London hat keine Sommerzeit, hätte also 1 1/2 Std. Zeit
gehabt. Na ja, Frühsport soll gesund sein.
Seit heute früh um
3 h habe ich nicht mehr geschlafen, im Flugzeug auch nicht und komme
dementsprechend kaputt in Nairobi an.
Die Heckklappe vom
Wagen geht nicht zu, einige Flughafenangestellte versuchen mit
Werkzeug, es zu reparieren. Schön, so kann ich nach über 20 Stunden
endlich ne Zigi rauchen. Tür will nicht schließen... Also ein Seil her
und das ganze zugebunden. Muss ausreichen, bis wir im
Fair-View Hotel
im Zentrum sind. Koffer bleiben im Auto, nehme nur Zahnputz- und
Waschsachen mit.
16.10.:
Besuche noch
schnell
Gaby von
Sunworld
im
Office, dann den üblichen Weg zum Supermarkt, Zigaretten und das
übliche dort einkaufen und endlich geht
es los in meine geliebte Masai-Mara.
Halten auf dem
ersten Berg an, ich atme auf – kann die gesamte Mara schon sehen,
rieche förmlich die Luft. Ist zwar Einbildung, da laufend stinkende
Last- wagen vorbeifahren – aber immerhin, ich sehe, wo ich in den
nächsten 4 Stunden (oder länger?) sein werde.
Unterwegs kommt uns
eine Fahrzeugkolonne entgegen, mitten drin Präsident Kibaki, der
Wahlpropaganda in Narok hinter sich hat (selbstverständlich alle mit
Mercedes – der hat ja auch genügend Geld). Jetzt merkt Herr Kibaki mal
am eigenen Körper, wie säuisch der Weg von Nairobi in die Mara und
zurück ist. Hoffe, er wurde richtig durchgeschüttelt und merkt jeden
einzelnen Knochen.
Stellenweise ist
die Straße repariert, aber es wird noch lange dauern, bis sie fertig
ist. So dünn, wie der Teer aufgetragen wird, dauert es keine 2 Jahre
und der Weg ist wie vorher...
Machen Rast in der
Mara, haben von Sunworld leckeres Lunchpaket mitbekommen. Ein junger
Maasai mit seiner Ziegenherde leistet uns Gesellschaft. Er spricht nur
„Ma“, geht aber 3 Jahre zur Schule und lernt Suaheli.
Sehen mitten in der
Savanne eine sehr alte Elefantenmama (ca. 60 Jahre alt, keine
Stoßzähne mehr) ,mit einem Baby.
Hoffentlich lebt sie noch so lange,
bis ihr Kind alleine im Leben klar kommt
und keine Muttermilch mehr
braucht.
Kommen gegen Abend
im Mara Bush-Camp an. Viel Personal vom letzten Jahr, was mich freudig
begrüßt. Der Camp-Manager Ole Sitima soll ein Maasai sein – ich kann
es nicht glauben. Er ist, vorsichtig ausge-drückt, nicht gerade
schlank. So sieht also ein Maasai aus, wenn er „normale Nahrung“ zu
sich nimmt und gerne Süßes nascht.
Die Zelte sind
toll, liebevoll eingerichtet und geräumig.
Erfahre, dass ein
natürlicher Schutzwall um das Camp gelegt wurde. Aus verdorrten
Büschen und Zweigen, so das kein Hippo oder Löwe mehr rein kann. Wie
ich erfahre, war wohl kurz vor meiner Ankunft doch ein Löwe in der
Nähe des Küchenzeltes. Auch ein Elefant hat sich nicht abschrecken
lassen.
Gerade auf
nächtlichen Besuch in Form von Hippos, Löwen, Hyänen hatte ich mich
gefreut. Aber natürlich geht die Sicherheit der Menschen vor. Letztes
Jahr waren Askaris vom Militär dort und Kinder/Jugendliche durften
nicht dort übernachten. Es war ja oft genug eine gefährliche Situation
gewesen (sh. mein Bericht vom letzten Jahr).
17.10.:
Bin bereits um 4.30
h (in Deutschland wäre es 2.30 in der Nacht) vom brüllen eines Löwen
in der Nähe geweckt worden. Setze mich vor das Zelt und starre in den
Sternenhimmel. Die Hippos überhöre ich, die sind immer und ewig am
grunzen. Eine halbe Stunde später höre ich Hyänen – ein Zeichen, dass
die Löwen ihre Beute fressen und die Hyänen warten drauf, etwas ab zu
bekommen.
Sehen heute morgen
ein Löwenjunges mit einem blinden Auge. Glücklicherweise lebt es mit
seiner Mama in einer relativ großen Löwengruppe, so das es nicht
selber später auf Beutejagd gehen muss.
Erfahre, dass einer
der 3 Cheetah-Brüder eine schlimme Halswunde hatte und von Tierärzten
aus Tansania und Mombasa behandelt wurde. Hoffe, sie irgendwann zu
sichten. Leider streusseln die drei oft kilometerweit umher. Sie
durchwandern am Tag ca. 10 Kilometer.
Die Kinder von
Gepardin Kike (3 Boys, 1 Girl) sind schon lange nicht mehr gesichtet
worden. Vermute, sie sind mal wieder außerhalb des Parks.
Wow, wir sehen
einen bildschönen jungen Leoparden, ca. 2 Jahre alt, männlich. Ich bin
total aus dem Häuschen, mein Herz klopft vor
Freude. Leoparden
sichten, das ist wie 6 Richtige im Lotto.
Kein anderes
Fahrzeug in der Nähe und wir können ihn auf seinem Weg begleiten. Er
läuft über den kleinen Seitenarm des Olorore-Rivers über Steine zu
einem Felsen, markiert dort, flehmt, wäscht sich und gähnt uns an.
Dann kommt er auf
unsere Seite, legt sich malerisch ins Gras und läßt sich bestaunen.
Wahnsinn!!! Ich gebe ihm den Namen „Peter“, weil mein Safari-Guide so
heißt und 3 andere Männer im Camp auch.
Was habe ich für
ein Glück. Kaum im Talek-Gebiet der Masai-Mara und ein Leopard so nah
beim Auto. Wenn er im Gebiet der Serena- oder Keekerok-Lodge wäre,
würden schon wieder 15-20 Autos drum rum stehen.
Halten uns über 2
Stunden bei „Peter“ auf. Ich kann mich nicht los reißen. Er hat
richtig liebe Augen. Wenn man ihn so ansieht, kann man nicht glauben,
wie gefährlich Leoparde sind.
 
Mache
Fotos wie ne Irre.
Habe mir ein externes
Speichergerät gekauft, wo 30 GB Platz haben. Also lieber mehr Fotos,
als zu wenig...
18.10.:
Wir sind kaum aus
dem Camp raus, begegnen uns 3 Löwenbrüder, im Gefolge 4 junge
Löwenmädchen. Mmh... kann nur eines bedeuten: Gruppensex?
Die Girls wollen
Sex, machen die Männchen an, strecken ihnen ihr Hinterteil entgegen.
Die Kater knurren, haben keine Lust, sind erschöpft.

Halten an, Motor
aus und warten... Keine 10 Minuten später geht es los. Auf Deutsch:
„ran, rauf, runter“. Kater springt auf Katze, runter von Katze, Katze
faucht, schlägt nach ihm, rollt sich im Gras.
Sehen eine Gepardin
(kenne sie nicht, muss aus einem anderen Gebiet hergekommen sein). Sie
ist sehr mager, eingefallen, furchtbar schmales Gesicht. Sie hat 2
Kitten, ca. 7-8 Monate alt. Die beiden Spielen und toben durch die
Gegend.
Überall sind
derzeit Topis mit neugeborenem Nachwuchs. Ist alles verkehrt in diesem
Jahr. Topis bekommen sonst ihre Kinder in Tansania. Auch Gnus gibt es
sehr wenige dieses Jahr in der Mara.
Finde beim
Frühstück unter Baum Zähne von einem Gepardkind. Könnte heulen, reiße
mich aber zusammen.
Eine riesige
Elefanten- und Giraffenherde mit vielen Jungtieren sehen wir heute
noch.
Außerhalb des Parks
sind überall Brände. Der Dorfälteste Maasai legt sie gezielt, damit
das junge kommende Gras Platz hat.
19.10.:
Es ist 6.15 h und
wir sehen in der Nähe des Airstrips (5 Minuten vom Camp entfernt)
viele Hyänen mit einem Jungtier. In der Morgensonne warten wir, bis
das Licht sie rötlich färbt.
Was ist los? Kaum
fahren wir weiter sehen wir die drei Löwenbrüder beim Deckakt. Ich
weiß gar nicht, welches Pärchen ich als erstes fotografieren soll.
Peter, der für mich filmt, lacht sich kaputt. Er schwenkt die
Filmkamera von einem zum anderen.
Über zu wenig Löwen
brauchen sich die Gäste dieser Gegend im nächsten Jahr jedenfalls
keine Sorgen zu machen. Das andere große Löwenrudel lebt ja auch noch
hier in dem Gebiet.
Packen unseren
Tisch, Stühle, Essen usw. aus, um Rast in der Nähe der Serena-Lodge zu
machen... Ja – Picknick im Busch wird immer exclusiver! Sunworld war
der Meinung, meine kaputten Knochen vertragen das Sitzen im Gras nicht
mehr. Danke, Sunworld.... ist ideal für mich.
Picknick geht nicht
– müssen ins Auto. Warum??? Weil aus dem Gebüsch geradewegs ein
schwarzes Nashorn auf uns zu kommt.
Wir warten im Auto,
bis es sich entfernt und in dem Buschwald verschwindet.
Am Mara-River hat
sich eine große Gnuherde versammelt. Ca. 1.500 Tiere. Werden mal
warten, vielleicht sehen wir ein Crossing.

3 weitere Autos mit
Profifotografen warten ebenfalls. Es ist noch nicht ersichtlich,
welchen Übergang die Gnus nehmen wollen. Stehen zwei zur Auswahl.
Die Sonne knallt
mir auf die Haut, mir ist langweilig, kein Tier bewegt sich.
Doch – jetzt kommt
Bewegung in die Gruppe. Ich glaub, ich spinne: die drehen sich alle um
und gehen zurück in die Mara, anstatt über den Fluss zu gehen.
Sehen später, dass
dort viele Krokodile waren.
Wollen langsam zum
Camp zurückfahren. Peter guckt durch sein Fernglas. Hat er einen
Geparden gesichtet? Er fährt abrupt quer durch das hohe Gras und hält
an. Ein ganz junger Leopard, ca. 7 Monate alt, liegt dort. Keine Mama
weit und breit.
Er will sich
aufstellen, knickt ein, schmerzerfüllte, ängstliche Augen gucken uns
an. Die Pupillen sind schwarz wie die Nacht, ein Zeichen von großem
Schmerz und Angst.
Ich fange zu heulen
an. Sieht aus, als ob er sich ein Bein gebrochen hat. Das ist sein
Todesurteil... Ein Foto mache ich und bete, dass der kleine Kerl
Erlösung findet. Seine Augen ... es ist unbeschreiblich, welche
Empfindungen sich darin wieder spiegeln.
Peter telefoniert.
Ein Ranger kommt, bewacht den kleinen, verletzten Leoparden.
Peter ruft bei
Daphne Sheldrick in Nairobi an (Elefantenwaisenhaus) - die Ranger
haben kein Telefon, sie ruft zurück und lässt sich den Platz
beschreiben, wo der kleine Leopard liegt.
Peter sagt
irgendwas vom Tümpel mit grünen Algen, diesem und jenem Baum usw.
Ein Tierarzt kommt
gegen 16 h aus Nairobi angeflogen, der Leopard wird narkotisiert und
in eine Klinik gebracht, wo die Ärzte Erfahrung mit Raubkatzen haben.
Ich bin beruhigt.
Jetzt weiß ich, dass dem armen kleinen Kerl geholfen wird, er
schmerzstillende Mittel bekommt und behandelt wird. Klar – er kann nie
mehr in die Wildnis zurück. Konnte ja noch nicht jagen und töten, ist
noch auf Muttermilch angewiesen. Aber er kommt später in den
Nationalpark in Nairobi, wo er zwar in „Gefangenschaft“ ist, aber
dennoch ein großes Gebiet hat und mit Futter versorgt wird.
Sehen auf dem
Nachhauseweg nochmal einen Löwen-Deckakt. Wir beide kommen uns langsam
vor, als ob wir einen Pornofilm drehen... Aber auch einen schönen
Gaukler (Vogelart) bekomme ich vor die Linse.
20.10.:
Fahren Richtung
Ilkeliani-Camp. Am Talek-River ist der Leopard Chui (Sohn von Bella),
aber er ist nur zu erahnen, für ein Foto ist das Buschwerk zu dicht.
Klar, Chui ist ein
Kind von Bella – der hat von seiner Mama gelernt, wie man sich vor
neugierigen Touris versteckt.
Eine große
Löwenguppe mit Nachwuchs liegt unter einem Busch. Wir fahren weiter.
Die armen Löwen sind von 10 Autos umzingelt. Das mag ich nicht... wir
sehen noch oft genug Löwen, wenn wir alleine sind. Außerdem sind alle
am schlafen und haben vollgefressene Bäuche.
Stopp – vor uns,
unter einem Baum liegen die drei alten Cheetah-Brüder. Mein Gott, sind
die alt geworden. Einem fehlen Zähne, alle sind schmal im Gesicht
geworden. Aber alle drei sind wohlgenährt, haben einen kugelrunden
Bauch.
Ich sehe mir alle
drei genau an. Der Gepard mit der Halswunde – sie ist kaum mehr
erkennbar. Frische Haut wächst drüber, keine Entzündung oder ähnliches
ist zu sehen. Freue mich... die Ärzte haben gute Arbeit geleistet.
Fahren wieder zu
dem kleinen Fluss-Seitenarm in der Hoffnung, den jungen Leoparden
wieder zu finden. Hab ich ein Glück!!!
„Peter“ hat ein
Impala getötet und schläft jetzt satt und zufrieden im Schatten des
Flussbettes. Das restliche Fleisch liegt etwas abseits, von Geiern
aber nicht einsichtbar.
Beobachten ihn noch
2 Stunden lang, dann müssen wir ins Camp zurück. Wird langsam dunkel.
Im Camp reden sie
nur noch von mir als „Mama Chui“, also Leoparden-Lady. Sage, dass ich
vom Herzen her immer Geparde lieben werde, aber die Leo`s sieht man
halt so selten. Und traumhaft schöne Tiere sind es ja auch.
21.10.:
An dem Fluss, wo
man nur bei niedrigem Wasserstand rüber fahren kann (sonst ist es ein
Riesenumweg), ist ein Fischadler und ein Storch. Mache schnell ein
Foto, bevor Peter den Motor abwürgt. Die uralten Steine im Wasser sind
eine Herausforderung für jeden Fahrer. Minibusse würden hier massive
Probleme bekommen.
Kaum auf der
anderen Seite, sagt Peter, das vorne ein junger Serval wäre. Wo??? Ich
gucke mir die Augen aus, sehe keinen.
Ach du meine Güte,
der sitzt direkt am Weg, fast vor unserem Auto!!!
Ist ca. 1 Jahr alt
und wunderschön. Was bin ich glücklich. Servale sind nachtaktiv,
selten zu sehen. Wir begleiten ihn noch ein Stück seines Weges, ich
fotografiere wie verrückt.
Was ist los heute
morgen? Das Talek-Gebiet der Mara scheint mich zu lieben...
Kurze Zeit später,
Richtung Keekerok-Lodge sehen wir eine große Löwengruppe mit 17
Tieren. Die Kleinen sind am spielen, die großen am schlafen.
15 Minuten später
nächster Halt. Ich hoffe, dass meine Akkus so viele Fotos durchhalten.
Eine Gepardenmutter mit zwei Halbwüchsigen Kindern ist am spielen.
„Meine“ Cheetah`s. Bin glücklich, beobachten lange die kleine Familie.
Sehen noch einen
Habicht, langsam lerne ich auch Vogelarten kennen und wir fahren
wieder zu dem kleinen Fluss-Seitenarm, um nach dem Leopard „Peter“ zu
gucken.
Ein Auto mit Profis
steht am Fluss. Wir nichts wie hin...
Im dichten
Buschwerk sehen wir das markant gefleckte Fell eines großen Leoparden.
Wer ist das? Viel erkennen können wir nicht.
Peter fährt außen
rum auf die andere Seite des Flusses. Ab und an bewegt sich die weiße
Schwanzspitze, Peter guckt durchs Fernglas, sagt, es scheint die Mama
von „Peter“ zu sein. Bin furchtbar aufgeregt, hoffe, dass sie sich
irgendwann bewegt und ich mehr als nur ihren Schwanz zu sehen bekomme.
Peter fährt direkt
in den Fluss. Stellt sich dort rein, so dass er mit seinen Luchsaugen
sie besser beobachten kann.
Bin mal wieder froh
– wie so oft – das wir nur den kleinen Pajero haben. Mit diesem Wagen
können wir überall hin.
Peter fährt wieder
hoch auf die andere Flußseite, gegenüber den Profifotografen, stellt
sich direkt oben hin. Habe Sorge, dass wir ins Wasser mitsamt Auto
kippen. Der Wagen hängt halbschief über der Böschung. Ist mir aber im
Moment sowas von egal... Leoparde – das alleine ist wichtig!
Mein Gott – haben
wir ein Glück!!! Die Leopardin (sehr groß) kommt nach ca. 2 Stunden)
genau auf unser Auto zu. Jetzt erst sehen wir, dass unterhalb des
Wagens an einem Busch ihre Beute vom Morgen (eine Thompson-Gazelle)
liegt. Sie guckt uns wütend mit ihren Killeraugen an, faucht mal kurz
(hat wirklich Augen wie ein Killer), findet uns aber langweilig und
fängt zu fressen an.
Peter filmt wie
verrückt (so nah hat auch er als langjähriger Guide noch keinen Leo
gesehen) und ich knipse mal wieder wie ne Irre mit Dauer“feuer“. Sie
ist wunderschön, aber ihre Augen jagen mir schon Angst ein. Leoparde
haben schon öfters auch Menschen getötet. Sie sind wirklich sehr
gefährlich.
Nach ca. 1 Stunde
ist sie satt und legt sich wieder unten am Fluss in den Busch. Wir
machen uns auf den Weg zurück zum Camp. Peter muss der Crew davon
erzählen. Mein Herz rast vor Aufregung und Glück und mein englisch ist
immer noch saumässig...
Zeige allen die
Fotos und bin heilfroh, dass einige nicht verwackelt sind.
22.10.:
Heute morgen wieder
2 von den 3 Löwenbrüdern
gesehen. Dieses mal wollen die Männchen Sex,
aber die Weibchen nicht.
Wir lassen sie in Ruhe, fahren weiter.
Schließlich habe ich noch viele Tage Gamedrive vor mir, eilt also
keineswegs.
Hyänen an einem
Wasserloch. Also anhalten, warten. Sie trinken etwas, sind schön als
Wasserspiegelung zu sehen.
Uns kommt eine
Riesenherde von ca. 100 Büffeln mit Jungtieren entgegen. Madenhacker
und Stare picken ihnen das Ungeziefer vom Körper. Mir ist etwas
mulmig, aber Peter meint, eine große Herde ist nicht gefährlich.
Stimmt – sie latschen gemächlich um unser Auto herum.
Da – weit entfernt
sehen wir den Moviestar Kike (aus Tagebuch der Raubkatzen von BBC)
laufen. Ihre Kinder, 3 männlich, 1 weiblich) hat sie schon lange
verjagt. Geparde sind Einzelgänger.
Wir begleiten Kike
einen langen Weg. Hat einen vollgefressenen Bauch, also heute früh
Beute gemacht. Sie läuft gemächlich fast neben unserem Auto, als ob
sie uns wieder erkennt. Sie sieht immer noch traumhaft schön aus. Zwei
Söhne von ihr sollen auch wieder auf Autodächer von Touris springen.
Klar – alles von der Mama gelernt.
Jetzt läuft sie
über Steine, die aus dem Fluss rausragen. Hoffentlich werden die
Bilder was. Kike mit Wasserspiegelung – ein Traum für mich, als
Nicht-Profi...
Bör und Börli aus
der Schweiz sind im Camp angekommen. Sie haben viel zu erzählen – von
Samburu usw. (Tagebuch von Bör und Börli unter: http://www.boer.ch/
Die Buschtrommel
hat funktioniert. Sie wussten bereits, dass wir Leoparde gesichtet
haben.
Haben uns viel zu
erzählen. Aber es hat noch Zeit...
Fahren wieder raus.
Direkt am Airstrip treiben sich 4 Löwe herum.
Natürlich wollen
wir wieder nach den Leoparden (sind ja jetzt Leo-Mama und „Peter“
dort) Ausschau halten.
Was ist das? Kein
einziges Auto weit und breit. Sie sie weiter gewandert? Leoparde
bleiben doch in ihrem Revier.
Wir suchen alles
ab. Halt! Auf einem Baum sitzt ein junges Weibchen und nicht weit
entfernt noch ein junges Männchen (nicht „Peter“). Die beiden haben
wir noch nie gesehen. Ob die Leo-Mama 3 Kids großgezogen hat? Sieht
bald so aus.
Leider müssen wir
fahren, es wird dunkel. Aber morgen gucken wir wieder. Ist ja keine
Entfernung zu dem Platz, wo sich die Leoparde aufhalten.
Richtung
Serena-Lodge regnet es in Strömen, hier fängt gegen Abend ein kurzer
Schauer an. Gut so, der trockene Savannenstaub setzt sich in sämtliche
Öffnungen fest, bin laufend am niesen.
23.10.:
bereits um 6.15 h
sehen wir das eine junge Leopardenweibchen in der aufgehenden Sonne im
Gras liegen. Wir warten... klar – so einen Anblick sieht man nicht
oft.
Sie geht auf einen
Baum, frisst ewig an einer Thompson rum und schleppt den Rest runter
und geht mitsamt der Restbeute in den Busch. Sie hat fast die ganze
große Gazelle gefressen, kann kaum laufen mit dem dicken Kullerbauch.
Dann sehen wir Leo
„Peter“ wieder, beobachten, fotografieren und filmen ihn bis ca. 11.45
h. Er ist wirklich zu schön und hat absolut keine Scheu vor Autos oder
Menschen, die ihn bestaunen.
Beim Lunch im Camp
kommt eine große Elefantenkuh, die Crew und der Manager beobachten sie
argwöhnisch. Kommt sie rüber???
Nein, alles bleibt
friedlich. Sie will nur grasen und im Fluss trinken.
Börli und Bör haben
heute eine Ballonfahrt gemacht. Soll traumhaft gewesen sein. Wir haben
sie fotografiert, wie ihr Ballon gerade über den Leoparden im Baum
schwebte. Habe später erfahren, dass sie vom Ballon aus auch uns
fotografierten. Grins... (das könnt ihr alles in ihrem Tagebuch
nachlesen).
Heute nachmittag
haben wir wieder die Leopard-Mama bis 18 h beobachtet. Sie war
vollgefressen, hat nicht einmal eine Pfote bewegt. Wieder kleiner
Regenschauer, sie geht in die Büsche...
24.10.:
Schön – wir sehen
Kike wieder. Sie muss seit gestern wenigstens 8-10 Kilometer gelaufen
sein. Hier in dieser Gegend haben wir sie nicht vermutet.
Sie beobachtet eine
Thompson-Gruppe, aber sie ist sehr weit weg. Weit ab am Wege warten
wir ab, was Kike macht. Wieder ist kein anderes Auto weit und breit zu
sehen. Bin froh darüber. Wenn ich an letztes Jahr denke, wo sich ein
Driver direkt vor einen Gepard stellte, der jagen wollte, könnte ich
dem heute noch den Hals umdrehen.
Kike hat es sich
anders überlegt und läuft gemächlich weiter. Wir folgen ihr ganz
langsam und leise. Sie geht zu einem kleinen Wasserlauf, läuft
vorsichtig über die großen Steine (ja kein Wasser an die Pfoten lassen
– igitt!!!). Fotografiere mal wieder wie eine Verrückte. Komme mir
vor, als ob ich noch nie im Leben einen Geparden gesehen hätte. Aber
mein Herz hängt an diesen Tieren – viele kenne ich seit Jahren, so
auch Kike...
Ein wunderbares
Bild – Kike als Reflektion im Wasser und über ihr im Sand ihr
Schatten. Hoffe, dass ich nicht gewackelt habe.

Hyänen sind am
fressen, mitten drin ein Junges. Die Hyänenweibchen sind größer wie
die Männchen, weil sie dadurch stärker sind und ihre Jungtiere vor den
Männchen sichern können, die sie oft und gerne töten. Ihre Vorderbeine
sind höher – von der Natur sinnvoll eingerichtet. Dadurch verbrauchen
sie weniger Energie.
Der Mara-River
führt momentan wenig Wasser. Hippos und Krokodile liegen faul herum.
Noch vor einigen Wochen sind über 1.500 Gnus im River ertrunken, so
hoch war der Wasserstand. Die Ranger erzählen mir, dass es am
Mara-Gate, wo auch ein Gnu-Übergang ist, es bestialisch gestunken
haben soll. Einige ertrunkene Gnus und Zebras sind immer noch zu
sehen. Ihre Körper sind dick aufgequollen, kein schöner Anblick.

Sehen in kurzer
Entfernung zwischen den hohen Lavasteinen Skelette von Hippos. Die
Löwengruppe, die sonst hier in der Nähe des Crossings auf Beute
wartet, musste sich wohl zusammentun und Hippos reissen.
Auf dem Rückweg zum
Camp sehen wir noch einmal Kike. Sie ist ein Schatz. Langsam glaube
ich, dass „irgendwer“ im Himmel möchte, dass ich meine Lieblinge so
nah und lange beobachten kann. Bin furchtbar glücklich.
Erfahre von
Jonathan und Angela Scott sowie von Sabah Douglas-Hamilton, dass sie
im September, also vor kurzer Zeit, eine weitere Folge von Tagebuch
der Raubkatzen gedreht haben. Jetzt filmen sie „Zawadi“ (ist suaheli
und heißt übersetzt = Geschenk), eine Tochter von Kike (suaheli,
übersetzt = weiblich), die das erste mal Junge bekommen hat.
Momentan sind sie
privat im Talek-Gebiet unterwegs. Mit normalen Kameras, also nur 400
mm und 300 mm Objektiv. Jonathan Scott fährt selber, wie immer. Ich
bewundere diesen Mann. Ein soo berühmter Fotograf, Movie-Maker,
Zeichner usw. und trotzdem so natürlich geblieben. Kein bisschen
überheblich. Der übliche Aufkleber am Auto „Big-Cat Diary“ ist
entfernt, ist auch nicht der sonst übliche große Kamerawagen. Sie
übernachten wieder im Gouverneurscamp, wo sie eigene Zelte haben.
Vielleicht haben
wir Glück und sehen Zawadi auch einmal. Kike ihre letzten Kinder (4
von 6 haben überlebt) sind auch vom BBC-Team nicht mehr gesichtet
worden.
Ich wundere mich
immer mehr. Nicht nur, dass die Topis alle neugeborenen Nachwuchs
haben, auch viele Thompson-Gazellen.
Sehen wieder 3
Löwenweibchen mit zwei ca. 5 Monate alten Kids. Fahren weiter, da alle
am schlafen sind.
Machen uns auf, zum
Fluss, wo die Leoparden sich aufhalten. Vielleicht sehen wir meinem
momentanen Liebling, den „Peter“ wieder.
Wir sehen den
Fotografen „Serge“, einen Kollegen und Freund von Romain Grisius vor
einem Graben stehen. Er ist auch einige Tage im Mara Bush-Camp. Bin
neidisch auf sein Objektiv. Aber als ich den Preis höre – nein, ist
nicht meine Preisklasse. Bin schließlich Amateur. Aber vielleicht ist
für nächstes Jahr ein 400 mm Objektiv drin. Wäre dann mit meinem alten
Gehäuse wie ein 650 mm-Objektiv.
Tief unten im
Flussgraben, halb versteckt hinter Zweigen, liegt die Leoparden-Mama
und frisst wieder eine Thompson-Gazelle. Schade, dass ein dicker Zweig
vor ihrem Gesicht ist. Zu gerne würde ich aussteigen, um ihn
abzuknicken. (nein – bin ja nicht lebensmüde, will schließlich
spätestens in einem Jahr nach Kilifi ziehen).
Bör und Börli
kommen mit ihrem Fahrer angebraust. Schade – sie haben Pech.
Mittlerweile kamen noch andere Safari-Autos und versperrten beiden die
Sicht. Wir fahren zurück, haben ja lange genug in Ruhe die Leopardin
beobachten können, um den beiden Platz zu machen. Sie hatten die
Leo-Mama noch nicht zu sehen bekommen.
Mist, 2 andere
Autos quetschen sich einfach dazwischen – keine Chance für Bör und
Börli. Hätte ihnen von Herzen gegönnt, dass sie diese wundervolle
Katze mit ihren Killeraugen sehen können.
Wir fahren später
zurück zum Camp, Peter filmt noch das Auto von Bör und Börli, wie sie
schaukeln und halb kippend die „Abkürzung“ über den Fluss nehmen. Im
Auto merkt man selber kaum, wie gefährlich die ganze Sache aussieht.
25.10.:
Ist Vollmond?
Scheint so... Habe kaum geschlafen. Um 4.15 h wecken mich die Zebras
auf (war gerade am fest schlafen) und stoßen ihre Warnrufe aus. Lange
waren sie zu hören. Danach höre ich das tiefe Löwengebrülle von einem
Kater. Denke mir, dass die Airstrip-Löwen wohl Beute gemacht haben.
Lange Zeit ist absolute Stille, dann geht das Geheule der Hyänen los.
Höre fürchterliches Gezanke, also werden sie sich um die Reste der
Löwenmahlzeit hermachen.
Endlich ist es 6 h
und wir fahren los. Die Löwen und Hyänen müssten ja noch ganz in der
Nähe vom Camp sein, dem Geräusch vorhin nach zu urteilen.
Stimmt – ein
Schakal ist mit wenigen Zentimetern Abstand bei einem Löwen, der
dickbäuchig sich in das Gras plumpsen lässt. Jetzt sehe ich mit
eigenen Augen, dass sich die Raubtiere gegenseitig nichts tun. Nur für
den kleinen Nachwuchs ist es gefährlich. Aber die großen
ausgewachsenen Tiere respektieren sich gegenseitig. Die Rangfolge beim
fressen ist geklärt. Erst die Löwen, dann die Hyänen, später die
Schakale und am Ende die Geier usw.
Ein paar Minuten
später, es ist noch halb dunkel, schnuppert eine vorwitzige Hyäne am
Hinterteil vom Löwen. Den scheint das überhaupt nicht zu stören. Zuckt
nicht einmal mit einer Wimper.
Wir fahren einige
Meter, wo tierisches Gezanke zu hören ist. Sehen 21 Hyänen, das
Hyänenrudel, was sich sonst immer in der Nähe vom Talek-Gate aufhielt,
war auch mit dabei. Ich erkenne sie daran, weil drei Tiere davon ein
Sendehalsband tragen. Von der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft
ist seit etlichen Jahren eine junge Frau unterwegs, teilweise zu Fuß
in Begleitung von 3 Maasais, teilweise mit Auto, um ihr Verhalten zu
studieren.
Hunderte Geier
kreisen schon voller Erwartung um das ganze Geschehen. Jetzt kommt die
Morgensonne hoch. Kann gute Fotos machen. Peter filmt das Gezanke und
Gekreische der Hyänen. Irgendwie finde ich die Hyänen aufgrund ihres
ganzen Verhaltensmusters unheimlich interessant.
Es sind, genau
betrachtet, schöne Tiere, mit wunderschönen großen Augen und schöner
Fellzeichnung. Was so gruselig aussieht, ist nur ihre Gangart. Habe
mich seit einigen Jahren mehr mit dieser Gattung beschäftigt. Viel
über ihr Verhalten usw. gelesen. Und sehr viel kann ich persönlich in
Kenia davon sehen, beobachten.
Wir wollen wieder
zu den Leoparden, sehen aber auf einem Termitenhügel die Gepardin
Zawadi und ihre beiden Kinder. Zawadi ist sehr dünn, die jungen Hüpfer
werden anstrengend sein und ihr wohl das meiste ihrer Beute
wegfressen. Sie sieht ihrer Mama Kike sehr ähnlich, die gleichen
Gesichtszüge.
Ich denke daran,
dass ich noch die Mama von Gepardin Kike gekannt habe, die Queeni –
und jetzt sehe ich Zawadi, die jetzt das erste mal Nachwuchs hat.

Gerade das
fasziniert mich so an der Talek-Gegend. Fast alle Geparde kenne ich
seit Jahren und kann einen kurzen Teil ihres Lebens jedes Jahr aufs
Neue beobachten.
Mir fällt ein, das
alleine im Talek-Gebiet, Richtung Bush-Camp, momentan 10 junge Geparde
leben, die die gefährlichste Zeit ihres jungen Lebens überstanden
haben. Von Kike haben 4 Jungtiere überlebt und die drei anderen Mütter
haben jeweils 2 Kinder, die fast erwachsen, selbstständig sind.
Jetzt geht es
endlich weiter Richtung Leoparde. Habe mich natürlich, wie immer, ewig
bei „meinen“ Cheetah`s aufgehalten.
Eine kleine Herde
Elefanten ist im Wasser. Die Kleinen spielen und schmusen, kämpfen
spielerisch. Ist süß anzusehen. Ein Gelbschnabelstorch pickt im Wasser
nach jungen Fröschen. Sieht lustig aus, wie er immer einen Flügel
hebt, um das Gleichgewicht auf dem steinigen Untergrund im Wasser zu
halten.
Wir suchen den
Flusslauf nach den Leoparden ab. Was ist los??? Nichtmal „Peter“
räkelt sich irgendwo im Gras, kein Leo irgendwo auf einem Baum.
Umrunden noch einmal den gesamten kleinen Fluss. - Nix!!! Wie
ausgestorben das ganze. Habe ja noch etliche Tage, irgendwann sehen
wir sie wieder. Sind vielleicht kurzfristig von Löwen vertrieben
worden.
Sehen noch einen
Hammerkopf (Vogel) zum Abschluss im Wasser.
26.10.:
Bör und Börli haben
gestern durch Zufall eine Serval-Mama mit ihren 3 Babys in einem
Termitenbau gesehen. Wollen jetzt mal hinfahren und gucken. Vielleicht
haben wir Glück. Der Bau soll in der Gegend der Serena-Lodge sein. Ihr
Fahrer hat Peter beschrieben, wo sich der Bau befinden soll. Anhand
von Merkpunkten, wie Z.b. umgekippter Baum, dicker Busch usw. können
sich die Driver gut die Gegend merken. Für mich sieht alles fast
gleich aus.
Wir kommen an,
nichts rührt sich. Stehen wie blöde ewig davor, geben es erst einmal
auf. Fahren weiter, um uns einen schönen Baum fürs Frühstück
auszusuchen. Hohe Lavasteine, säuisch zu fahren. Aber Peter möchte mir
einen Gefallen tun, weil dort oben ein sehr schöner Kakteen ähnlicher
Baum steht. (Der Name ist mir entfallen). Iiiihgitt, ist das hier kalt
und windig. Die Thermoskannen incl. Tassen machen sich selbstständig,
landen auf der Erde. Wir essen schnell eine Kleinigkeit und fahren
weiter.
Sehen heute nur das
„übliche“. Ich bin ungerecht – habe jeden Tag so viel Schönes gesehen
und erlebt und kaum kommt ein Tag, wo nichts los ist und ich bin
enttäuscht. Kann mich über mich selber ärgern...
Bei Bör und Börli
war gestern ein Eichhörnchen ähnliches „Etwas“ im Zelt. Nein, keine
Ratte. Es hatte einen buschigen Schwanz. Sage ihnen, dass sie das
Tierchen mir über Nacht in mein Zelt schicken sollen, damit ich
Gesellschaft habe.
Gucken noch einmal
bei einer Gnu- und Zebraherde, aber es ist wieder kein Crossing. Na,
dann ebend nicht...
Ganz nah beim Camp
sehen wir wieder Jonathan Scott und die anderen. Zawadi ist dort mit
ihren Kindern. Alle drei sind am schlafen. Zawadi hat wieder einen
etwas dickeren Bauch, ist nicht mehr ganz so eingefallen.
27.10.:
Bör und Börli haben
noch eine Morning-Gamedrive und müssen dann nach Hause. Lange freut
man sich auf den Urlaub und dann vergeht die Zeit so rasend schnell
und alles ist vorbei. Aber die Erinnerung bleibt für immer im Kopf.
Wir fahren wieder
in die Richtung, wo wir gestern Abend Zawadi gesehen haben. Nirgendwo
sind sie zu sehen. Aus früheren Pirschfahrten weiß ich, dass Geparde
jeden Tag weit laufen, sie können schon wieder ganz weit weg vom Camp
sein.
Sehen einen Löwen,
der gemächlich an einer Gruppe Thompson-Gazellen lang trottet. Die
Gazellen haben keine Angst. Sie merken wohl an seinem Verhalten, dass
der satt ist und keine Lust am jagen hat.
Am Rastplatz, wo
oft die Minibusse und Ballon-Touren Rast machen, sehen wir die drei
Gepardbrüder wieder. Ich freu mich sehr. Alle drei haben kullerrunde
Bäuche. Einer tut mir den Gefallen und gähnt (seit letztem Urlaub habe
ich meinen Spass daran, die Tiere mit ihren Zähnen und Zunge zu
fotografieren). Sehe seine Fangzähne. Sehen noch gut aus. Ich hoffe,
dass ich sie wenigstens noch 2 Jahre lang sichten kann. Geparde in
freier Wildbahn werden max. 8-10 Jahre alt. Wir begleiten die drei
noch lange. Sie gehen gemächlich ihres Weges. Ihre Gesichter sind
furchtbar eingefallen. Naja, an mir geht das Alter auch nicht spurlos
vorüber... Sie beobachten Gnus, die in der Nähe grasen, haben aber
kein Interesse daran.
Peter hält mal
wieder abrupt sein Auto an. Was sieht er? Keine Ahnung.Er zeigt auf
einen Baum und sagt was von: Verreaux`s Eagle owl. Verstehe
kein Wort. Er blättert in seinem Vogelbuch (hat er sich gekauft, weil
dort die Namen sowohl in Latein, als auch in Englisch und Deutsch zu
lesen sind) und ich lese, dass es ein Milchuhu ist. Hab den
Namen noch nie gehört, geschweige denn solch einen Nachtvogel jemals
gesehen. Hoffe, dass die Fotos was geworden sind.
Freude: wir sehen
Zawadi wieder mit ihrem Nachwuchs. Es sieht aus, als ob sie jagen
will. Wir bleiben weit entfernt auf dem Weg. Wieder kein anderes Auto
zu sehen – ein Glück. Ihre Kinder spielen in einer Böschung.
Thompson-Gazellen kommen in Richtung Zawadi, mein Herz klopft wie
wild.
Die Fluchttiere
sehen Zawadi, drehen ab und rennen weg. Zawadi geht auf einen
Termitenhügel, ihre Kinder auch und legt sich schlafen.
Schade, hätte ihr
eine kräftige Mahlzeit gegönnt.
Peter ist
mittlerweile nicht nur mein Filmedreher, sondern auch mein
Suaheli-Lehrer. Jeden Tag bringt er mir neue Wörter und die richtige
Aussprache bei. Mein Kopf brummt schon, bin schließlich nicht mehr die
Jüngste. Lernen fällt immer schwerer.
Ist heute wieder
sehr windig und kühl. Sehen Zebras und Gnus an einem Wasserloch
trinken, aber sie springen in Panik weg, als Peter den Wagen anhält.
Ein sehr altes
Warzenschwein (Kenia-Express) ist am Bein verletzt, bleibt mit seinem
Nachwuchs in der Nähe vom Bau.
Wieder sehen wir
die 3 Cheetah-Brüder. Beobachten sie 3 volle Stunden lang. Sie waschen
sich gegenseitig, gähnen, markieren jeden Baum, jeden Busch und gehen
Rtg. Talek-River. Ich muss dringend auf die „Maasai-Toilette“, aber
das ist spannender. Irgendwann bitte ich Peter, doch weiter zu fahren,
damit ich schnell hinter`s Auto kann. Danach – keine 5 Minuten später
– finden wir sie nicht mehr. Suchen die ganze Gegend ab. Das Gras ist
hier sehr hoch, wenn sie irgendwo liegen, können wir sie nicht sehen.
Zumal das Gras momentan gelb ist, vertrocknet.
28.10.:
die Löwen scheinen
es toll zu finden, bei der mondhellen Nacht schon morgens ab 4 h zu
brüllen. Naja, gut gebrüllt, Löwe....
Kurz nach 6 h
beobachten wir eine Löwin. Sie sieht hungrig aus, hält nach Beute
Ausschau.

Am River sehen wir
9 Löwen schlafen. Das Löwenkind mit dem blinden Auge ist wieder dabei,
kuschelt sich an seine Mama. Eine Löwin wird rollig, der Kater flehmt,
sie knurrt ihn an – hat noch keine richtige Stimmung für eine Paarung.
Kommt schon wieder
starker Wind auf. Die Regenzeit kommt bald. Wir beobachten wieder
Löwen, die zu der Seite gehen, wo eine Gnuherde steht. Aber es
passiert nichts. Keine Jagd...
Fahren zu Intrepid
Zigaretten holen. Wer viel Komfort, Pool, Massagesalon, Shops,
Riesenbuffet usw. haben will, ist dort bestens aufgehoben. Mir
persönlich gefällt ein kleines Camp besser. Ohne gepflasterte Wege,
Essen, was noch auf Feuer gemacht wird, abends uriges Lagerfeuer. Aber
jedem nach seinem Geschmack.
Eine Herde Gnus
läuft drei Löwen fast vor die Füße. Die Großkatzen gucken nur müde und
schlafen weiter. Sind dumm. Das Frühstück wird ihnen praktisch auf
einem goldenen Teller serviert...
Suchen wieder
Zawadi. Die Leoparde sind nicht mehr an ihrem Fluss-Seitenarm. Wir
fahren Richtung Mara-River, weil sehr viele Gnus zu sehen sind. Peter
schätzt sie auf über 1.500 Stück. Wir warten 5 volle Stunden, ich weiß
schon nicht mehr, wie ich sitzen soll. Habe Dachluke geschlossen,
damit mir die Sonne nicht so auf den Pelz brennt.
Peter rast auf
einmal los, ist als erster auf dem besten Platz. Innerhalb 5 Minuten
sind alle Gnus über den Mara. Traue meinen Augen nicht.
Jonathan Scott kam
kurz nach uns, er hat das Schauspiel leider verpasst.
Kein Gnu hat sich
verletzt – alle kamen gesund auf die andere Seite des breiten Flusses.
Peter hat im Camp
angerufen, dass wir nicht zum Lunch kommen. Sonst hätten sie sich
Sorgen gemacht. Müssen ein kurzes Stück Offroad fahren, da ein
neugeborenes Thompson-Kalb mitten auf dem Weg liegt. Es will aufstehen
und rennen, fällt aber immer noch um.
Sehen Nähe
Serena-Lodge zwei Nashörner. Den Bullen, der an uns vorbei ging, als
wir Rast machen wollten und eine jüngere Nashorn-Dame. Das kann nur
bedeuten, dass sie sich paaren wollen. Wir fahren außen herum,
beobachten sie. Leider gehen sie kurze Zeit später in den angrenzenden
Wald. Wollen wohl ungestört und ohne Zuschauer sein.

Ein Raubadler frißt
eine Ratte, fliegt weg. Hoffe, das Foto ist was geworden. Hyänen
gähnen mir ins Auto. Endlich habe ich mal Fotos von einem Hyänengebiss.
Sehen noch eine große Wasserechse.
29.10.:
6.10 h: sehen ganz
in der Camp-Nähe das Löwenrudel mit dem halbblinden Auge. Alle sind
satt und schlafen.
Fahren nochmals
dahin, wo anfangs die Leoparde sind. Wir sehen die Leoparden-Mama weit
entfernt auf einem Baum mit ihrer Beute, wieder einer Gazelle. Viele
Autos kommen angerast. Sie unterbricht ihre Mahlzeit, springt vom
Baum und rennt in das angrenzende Buschland. Sie hat kaum was fressen
können. Die Thompson blutet noch, aber die vielen Autos haben sie
gestört. Das ist das schlimme am Funkverkehr bei den
Safariunternehmen. Jeder hört alles mit und die Wagen kommen aus
sämtlichen Himmelsrichtungen. Bin froh, das wir kein Funk im Auto
haben.
Wir fahren zu einem
Rastplatz, von wo aus wir das Buschland und den Baum mit der Beute
sehen können. Vielleicht kommt die Leopardin wieder, wenn die Wagen
weg sind.
Ein
Schweifglanzstar leistet uns beim Frühstück Gesellschaft. Ein
Hammerkopf fliegt zu uns auf den Baum.
Die BBC-Crew suchen
das Buschland nach der Leopardin ab. Keine Chance. Die Sträucher sind
so dicht, da kann selbst das geübteste Auge nichts entdecken, zumal
dort auch tiefe Graben sind.
Die jungen Leoparde
scheinen von ihrer Mutter weg gejagt worden zu sein. Die Mama selber
ist sehr scheu und verkriecht sich – genau so wie die Leopardin Bella
am Talek-River. Schade – aber 5 Tage lang konnten wir aus nächster
Nähe alle beobachten. Das ist schon ein kleines Wunder für mich.
Wir warten noch
lange, aber es wird sehr heiß. Da bleibt die Leopardin im Schatten.
Wollen es am Spätnachmittag noch einmal versuchen.
Am Airstrip sind
wieder sehr viele Gnus. Da werden die Löwen wieder fette Beute machen.
Bis abends warten wir auf die Leopardin. Ihre Beute hängt noch im
Baum. Aber sie kommt nicht...
30.10.:
Die große
Löwengruppe sucht nach Beutetiere, haben Zebras, Topis und Impalas im
Visier. Wir warten lange – aber irgendwann legen sie sich wieder hin.
Zawadi tut mir den
Gefallen und zeigt sich noch einmal. Sie liegt mit ihren Kleinen
zwischen dem Lavagestein im Schatten.
15 Elefanten
bewerfen sich mit Schlamm, sind viele Babys dabei. Die kleinen
Elefantenbabys sehen immer zu goldig aus mit ihrem Schlabber-Rüssel,
den sie noch nicht unter Kontrolle haben.
Um 15 Uhr kommt ein
heftiger Platzregen. Vorher sahen wir schon Richtung Olanana-Camp,
dass es dort regnet.
Ich sehe im
Gestrüpp einen Hammerkopf, sage zu Peter, ist nur ein Vogel. Er dreht
sich halb um, hält und sagt, da wäre auch noch ein Serval!
Ich bin begeistert,
ein relativ junger Serval, sehr schönes Tier. Er geht schnell in die
Büsche, mag wohl nicht so oft fotografiert zu werden.
Kann einen
Fischadler im Flug erwischen (per Foto). Sehen Impalas, Zawadi liegt
weit entfernt auf der Lauer. Schleicht sich Zentimeterweise immer
näher, springt auf, rennt los. Kann sie nicht mehr sehen. Wir fahren
in die Richtung, wo sie hingerannt war.
Zawadi liegt flach
im Gras, hechelt, das Impala lebt noch. Sie hält es fest, bis ihre
Kids gekommen sind.

Ich weiss nicht, ob
mein Mitleid mit dem Impala überwiegt oder ich mich freuen soll, dass
sie Beute gemacht hat.
Ihre Kinder müssen
töten lernen. Es ist grausam anzusehen. Das arme Impala lebt noch
minutenlang, zappelt, schreit, windet sich. Ein furchtbarer Anblick.
Das eine Jungtier hat es am Hals, das andere fängt schon an, es hinten
aufzubeissen. Mir wird halb schlecht beim fotografieren. Endlich hat
ein Jungtier es erstickt...
Zawadi wartet, bis
ihre Kinder gefressen haben. Sie lassen ihr kaum etwas übrig. Aber sie
ist eine gute Mama – erst die Kinder...
Auf dem Weg zum
Camp sehen wir einen Raubadler mitten auf dem Weg liegen. Er hat einen
gebrochenen Flügel. Das ist sein Todesurteil. Er wird wohl diese Nacht
nicht überleben.
Ich lasse mir mein
Tusker-Bier (damit ich besser einschlafen kann) und mein Diner ans
Zelt bringen. Die anderen Gäste reden nur englisch und ich fühle mich
dann alleine an meinem Tisch nicht wohl.
31.10.:
habe nicht gut
geschlafen. Laufend von der Jagd und dem Impala geträumt. Mir ist
klar, dass die jungen Raubkatzen das töten lernen müssen... aber es
ist trotzdem ein schrecklicher Kampf für das Beutetier und es tut mir
leid.
Packe schon meinen
kleineren Koffer, der bei Sunworld bleibt und später von Gästen nach
Kilifi gebracht wird. So habe ich schon alle Sommersachen dort und
kann im März andere Sachen mitnehmen.
Zawadi jagt Gnus,
läuft mit ihren Kindern weiter. Hat keinen Erfolg. Sie sieht schon
wieder sehr eingefallen aus. Kein Wunder bei diesen gefräßigen
Kindern.
Alle drei legen
sich unter einen Busch im Schatten. Zawadi springt wieder auf, jagt
einzelnen Impala – wieder kein Erfolg...
Wir sehen im
Elefantengras (Tussok) am Mara-River 3 schöne Löwen. Sie gähnen mich
nur an. Denken wohl: die hat genug Fotos von unserer Art – jetzt
reicht es...
Der Himmel wird
dunkel, viele Wolken kommen. Es wird auch Zeit, dass es regnet. Kaum
mehr grüne Grashalme in dieser Gegend.
Sehen wieder die
riesige Büffelherde und 4 kleine Schakale mit ihrer Mama. Sie sind ca.
8 Wochen alt, haben keine Angst. Spielen bei unserem Auto.
Zawadi scheint mir
auch noch einmal zum Abschied tschüss sagen zu wollen. Ihre Kinder
machen Jagd auf drei Strausse, ein göttlicher Anblick.

Viele Elefanten
sind wieder in dieser Gegend.
Eine Löwin liegt
auf der Lauer. Wir auch! Sie schleicht sich in Richtung Buschwerk, wir
können kein Tier sehen. Auf einmal eine Riesenstaubwolke, ein großes
Warzenschwein rennt wie verrückt weg, die Löwin bricht die Jagd ab.
Dagegen ist sie wie eine lahme Ente. Sie sieht richtig gefrustet aus.
Sehen noch einmal
Zawadi in der Abendsonne auf einem Termitenhügel mit den Jungtieren.
Mir wird schwer ums Herz.... Der Abschied ist da....
Will heute abend
nochmal im Zelt essen, soll aber ins Speisezelt kommen. Anordnung vom
Camp-Manager. Mache es sehr ungerne, ahne, was da kommt:
Die Maasais tanzen
für mich, singen ein Lied und der Chefkoch bringt eine Torte mit der
Aufschrift: kwaheri Mama Duma.
01.11.:
heute morgen um
4.30 h höre ich noch einmal ganz nah das Löwengebrülle.
Wir machen noch
eine kurze Pirschfahrt, frühstücken dann im Camp und fahren kurz nach
10 h los Richtung Nairobi. Sehen unterwegs einen riesigen Brand im
Sarova-Gebiet. Es brennen auch viele Bäume und Büsche. Schon wieder
wird die Infrastruktur mehr zerstört. Die Mara hat die letzten Jahre
viele Bäume durch Brände verloren Es ist traurig, das zu sehen. Ich
verstehe die Driver nicht, weshalb sie nicht auf ihre Gäste aufpassen
und ihnen sagen, dass man kein Glas, Plastik, Zigarettenkippen usw.
aus dem Wagen werfen soll. Aber denen ist wohl das Trinkgeld wichtiger
wie das Wohl der Tiere.
Danke noch einmal
an Sunworld, das Ihr nur Fahrer einstellt, die sehr tierlieb sind und
Natur und Lebewesen achten!
Machen unterwegs
Rast, essen das eingepackte leckere Essen und ich bin traurig. Die
wundervolle Zeit ist zu Ende – ich habe so viel Schönes sehen und
erleben dürfen.
17 h: bin im
Fair-View, lasse mir Badewasser ein, wasche meine Haare. Versuche,
meine Gedanken zu ordnen. Aber mich graust es schon wieder vor dem
morgigen langen Flug nach Hause.
1
02.11.:
Habe den freundlichen Kenianer am British-Airways-Schalter überreden
können, dass ich einen Platz am Notausgang bekomme. Da haben meine
langen Füße mehr Platz. 23.30 h: bin zu Hause. Lasse Koffer fallen,
einmal kurz ins Bad und nur noch schlafen....
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